Kulinarisches rund um die Fasten- und Osterzeit

Von traditionellen Fastengerichten, über eine "Anleitung" für eine vegane Fastenzeit, bis zu hin zu "Leere-Grab-Brötchen" sind hier allerlei Rezepte zu finden.

Historische Entwicklung traditioneller Rezepte

Im Lauf der Geschichte des Christentums haben sich die Regeln und Verbote zur Fastenzeit immer wieder geändert. So legte Papst Gregor I. im Jahr 590 fest, dass in der Fastenzeit vor Oster der Verzehr von warmblütigen Tieren verboten ist. Auch andere tierische Produkte wie Eier, Milch, Butter und Käse sowie Alkohol standen auf der Verbotsliste. Außerdem war nur eine Mahlzeit am Tag erlaubt.

Diese strengen Fastenregeln hatten über mehrere Jahrhunderte Bestand, bis sie Mitte des 16. Jahrhunderts von Papst Julius III. gelockert wurden und nur noch auf Fleisch verzichtet werden sollte. Fisch, Mehlspeisen und viel vegetarische Kost standen fortan auf den Speisezetteln.

Trickreich durch die Fastenzeit

Einfallsreiche Mönche und Nonnen

Die Fastenzeit vor Ostern war nicht die einzige Zeit im Kirchenjahr, zu der gefastet werden sollte – im Mittelalter gab es bis zu 130 Fastentage. Doch gerade im Mittelalter war der Alltag der Menschen von schwerer körperlicher Arbeit geprägt und sie waren auf kalorienreiche, nahrhafte Speisen angewiesen. Frei nach dem Motto »Zu jedem Verbot gibt es Ausnahmen« wurden vor allem in den Klöstern hilfreiche Tricks erdacht, um die strengen Fastenregeln zu umgehen.

So wurden Vögel und Geflügel kurzerhand zu Wassertieren erklärt und als solche mit Fischen gleichgesetzt, weil sie laut der Schöpfungsgeschichte am selben Tag erschaffen wurden. Auch Biber zählten wegen ihres geschuppten Schwanzes zu den Fischen. Ein Ferkel, das in einen Brunnen geworfen wurde und dort ertrank, war nach der fantasievollen Auslegung der Klosterbrüder ebenso ein Wassertier.

Wo sich kein Hintertürchen zur Umgehung des Fleischverbotes finden ließ, waren die Mönche und Nonnen besonders kreativ bei der Sache. Die bekannteste Tarnung des Fleisches ist wohl die schwäbische Maultasche, im Volksmund auch »Herrgotts B’Scheißerle« genannt.

Der Überlieferung nach kamen die Mönche des Klosters Maulbronn während der Fastenzeit an ein Stück Fleisch. Damit Gott ihr Fastenbrechen nicht bemerkte, hackten sie das Fleisch klein, mischten es mit Spinat und Kräutern und versteckten es unter einem Teigmantel.

Traditionelle Fastenspeisen

Fisch

Seit Papst Gregor I. den Verzehr von warmblütigem Fleisch verboten hatte, war Fisch ein beliebter Fleischersatz. Doch vor allem im Landesinneren und in Gegenden ohne große Fischbestände in Seen oder Flüssen war Fisch sehr teuer und auch schwer zu beschaffen. Die Klöster legten deshalb oftmals eigene Fischteiche mit Karpfen, Forellen und Hechten an, um den Bedarf an frischem Fisch zu sichern.

Fisch ist auch heute noch eine der traditionellen Fastenspeisen, da er reich an Eiweiß und kalorienarm ist. In vielen Gegenden wird freitags und vor allem an Aschermittwoch und Karfreitag als strengen Fastentagen Fisch gegessen.

 

Fastenbier

Beim Bier waren die mittelalterlichen Mönche besonders erfinderisch, weil auch Alkohol in der Fastenzeit verboten war. Sie brauten ein Starkbier, das besonders nahrhaft war und mit dem sie ihren Kalorienbedarf auch in der Fastenzeit decken konnten.

Sie beriefen sich dabei auf die Regel »Liquida non frangunt ieunum – Flüssiges bricht Fasten nicht« und schickten eine Kostprobe des Fastenbiers nach Rom, um sich vom Papst den Genuss genehmigen zu lassen. Bis es in Rom ankam, war das Bier allerdings verdorben und der Papst befand, dass dieses ungenießbare Getränk gerade recht für die Fastenzeit sei. Angeblich war es den Mönchen erlaubt, in der Fastenzeit fünf Liter Bier täglich zu trinken.

 

Brezel

Die Fastenbrezel hat ihren Ursprung im süddeutschen Raum. Im Mittelalter wurden Brezeln wegen der aufwendigen Herstellung nur während der Fastenzeit gebacken. Diese spezielle Form der Brezel wird vor dem Backen nicht in Natronlauge, sondern in heißes Wasser getaucht.

Die Fastenbrezel symbolisiert mit ihren verschlungenen »Ärmchen« die verschränkten Arme betender Mönche, ihr Name leitet sich vom lateinischen Wort »brachium« (Arme) ab. Von Aschermittwoch an wurden die Fastenbrezeln in Klöstern an Arme und Kinder verschenkt.

 

Mehlspeisen

Aus heutiger Sicht eher ungewöhnlich, aber seit dem Mittelalter gehören deftige und süße Mehlspeisen zu den traditionellen Fastenspeisen. Gehaltvolle Speisen wie süße Dampfnudeln oder sättigende Suppen mit Einlagen sollten den Kalorienbedarf von Bauern und Handwerkern decken.

Alternatives Fasten

Fasten bedeutet nicht immer nur den Verzicht auf bestimmte Speisen und Getränke. Viele traditionelle Fastenspeisen wie z. B. Mehlspeisen, Schmalzgebäck, Süßspeisen und Suppen mit deftigen Einlagen gelten heute als zu gehaltvoll und kalorienreich und stehen der modernen Intention des Fastens gegenüber.

Es gibt auch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, auf die während der Fastenzeit verzichtet werden kann. Viele Menschen wollen während der sieben Wochen auf Genussmittel wie Alkohol, Zigaretten oder Süßigkeiten verzichten. Hoch im Kurs steht auch der Verzicht von Fernsehen und Internet, um stattdessen mehr Zeit mit der Familie und den Freunden zu verbringen.

Oder wie wäre es mit einer vegetarischen oder veganen Fastenzeit? Die vegetarisch/vegane Lebensweise trägt nicht nur zu einer, sondern ist auch ein hoch effektives Mittel um den Klimawandel in den Griff zu kriegen, da etwa 50% der klimaschädlichen CO2 Emissionen und CO2 äquivalenten Gase im Zusammenhang mit der Produktion von Fleisch und tierischen Lebensmitteln stehen. So kann eine vegetarisch/vegane Lebensweise während der Fastenzeit (und natürlich darüber hinaus) einen großen Teil zur Bewahrung von Gottes guter Schöpfung beitragen.

Die Fastenzeit soll jedoch nicht nur eine »Pflichtübung« sein, nach der alles wie gewohnt weitergeht. Sie soll eine Möglichkeit bieten, aus den üblichen Gewohnheiten auszubrechen und sich bewusst mit sich und den wirklich wichtigen Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Außerdem können die sieben Wochen dazu dienen, das Leben, den Glauben, die Beziehung zu Gott einmal ganz neu zu reflektieren.

Wir können die Fastenzeit als eine Zeit der inneren Besinnung und Sammlung nutzen. Auf diese Weise erscheinen auf einmal die uns sonst umgebenden Alltäglichkeiten nicht mehr so wichtig und wir erkennen wieder, worauf es wirklich ankommt.

Fastenessen als gemeinsame Solidaritätsaktion

Mittlerweile hat es sich in vielen katholischen Pfarreien eingebürgert, ein so genanntes Fastenessen zu veranstalten, welches als Solidaritätsessen verstanden wird. Zum Ziel hat eines solches Fastenessen in der Regel das Informieren über die Situation und Projekte in der Dritten Welt bzw. um für eben diese Projekte Spenden zu sammeln.

Dabei wird solidarisch aufgefordert, auf den gewohnten Sonntagsbraten zu verzichten und stattdessen einen einfachen Eintopf oder ein für Afrika, Lateinamerika oder Asien landestypisches Gericht im Gemeindehaus einzunehmen, dessen Verkaufserlöse den ärmeren Menschen in diesen Regionen zugute kommen.

Aktuell ist die Tradition des Fastenessen in vielen Pfarreien ein fester Bestandteil der Fastenzeit und oft findet parallel dazu auch ein Verkauf von Waren aus den Eine-Welt-Läden statt.