Vergebung verändert nicht die Vergangenheit, aber sie erweitert die Zukunft.

Beichte und Versöhnung

Fehler zu machen gehört zu uns Menschen dazu. Und ja: Fehler sind gut, denn aus ihnen können wir lernen. Fehler sind da um gemacht zu werden, damit wir wachsen und reifen können. Manchmal handelt es sich nur um eine Kleinigkeit, wie etwa sich verrechnet zu haben. Manchmal verletzen wir aber andere Menschen durch einen Fehler oder achten nicht genug auf uns selbst. Als Christen gehören wir durch die Taufe für immer zu Jesus und durch die Firmung sind wir gestärkt worden, um als Christ leben zu können. Beides schützt uns jedoch nicht davor, Fehler zu machen und soll es auch nicht.

In der Beichte wird die Verantwortung für das eigene Handeln, für die eigenen Fehler übernommen. Es geht darum, sich wieder neu seinen Mitmenschen, sich selbst und Gott zuwenden zu können.

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Jesus und die Sünde

Die Evangelien erzählen davon, dass Jesus Sünden vergibt, etwa in der Erzählung vom Zöllner Zachäus, zu dem Jesus nach Hause geht und ihm verspricht, dass alles gut wird, obwohl er für seine Mitmenschen ein Sünder ist Lk 10,1-19

Oder etwa in der Erzählung von der Ehebrecherin, die Jesus vor der Hinrichtung rettet, indem er den Anwesenden sagt: Wer unter euch ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Joh 8,1-11

Laut Johannesevangelium gibt Jesus den Jüngern die Vollmacht Sünden zu vergeben: „Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ Joh 20,23

Und im Matthäusevangelium heißt es „Amen, ich sage dir: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Mt 18,18

Wer hat die Beichte erfunden?

Wenn in der Taufe doch alle Sünden und jede Schuld abgewaschen wird und wir durch sie zu neunen Menschen werden, warum gibt es dann die Beichte?

Bereits in der Bibel kam die Frage auf, wie mit Menschen umgegangen werden soll, die nach der Taufe Sünden und Schuld auf sich geladen haben. Was soll mit jemandem passieren, der in den Christenverfolgungen den Glauben an Jesus aus Angst um eigene Leben verleugnet hat?

Durch die Worte und Taten Jesu, und deren Interpretation vor allem durch Paulus, setzte sich die Überzeugung durch, dass Gott immer barmherzig ist. Er vergibt daher auch die nach der Taufe begangenen Sünden wie ein Vater bzw. eine Mutter den eigenen Kindern vergibt. Vor allem die Erzählung Jesu vom verlorenen Sohn hat zu dieser Überzeugung beigetragen (Lk 15,11-32). Auch wer Sünden begangen hat und dadurch Schuld auf sich geladen hat, kann Gottes Nähe erfahren und Versöhnung erhalten. Aus dieser Erkenntnis bildete sich das Sakrament der Beichte heraus, das auch Sakrament der Versöhnung genannt wird.

Was sind Sünden, was ist Schuld?

Wer an Sünde denkt, denkt vielleicht an Mord und Totschlag, andere an lügen und stehlen und wieder andere an das Stück Sahnetorte, dass sie sich neulich gegönnt haben, obwohl es aus gesundheitlichen Gründen vielleicht lieber nicht gegessen werden sollte.

All diese Überlegungen haben etwas Gemeinsam: Sie beschreiben etwas, das verboten ist. Sünde scheint etwas damit zu tun zu haben, dass etwas Verbotenes getan wird – zumindest auf den ersten Blick.

Doch Sünde meint etwas Tieferes. Die Bibel beschreibt Sünde als eine Art „Zielverfehlung“. Der Mensch ist durch die Sünde nicht das, was Gott sich eigentlich gedacht hat. Im ersten Buch Bibel (Gen 1,26) wird berichtet, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat. Als sein Ebenbild soll der Mensch Gott wie einen Spiegel reflektieren und der ganzen Schöpfung zeigen, wie Gott ist. Aber ein kurzer Blick in die Geschichte, ja sogar ein kurzer Blick in das eigene  Leben reicht aus, um zu zeigen, dass wir das nicht (immer) tun.

Sünde meint also alles, was einen von Gott, den Menschen, der Schöpfung und  von sich selbst trennt. Mit anderen Worten: Alles was einen daran hindert so zu sein, wie Gott einen gedacht hat, ist eine Sünde.

Schuld ist im Gegensatz zur Sünde, das Gefühl das sich aus der Sünde ergibt. Während die Sünde meist  nur einen kurzen Moment lang andauert, entsteht das Gefühl der Schuld oft erst im Nachhinein und kann unter Umständen ein Leben lang anhalten.

Jesus will uns sowohl von der Sünde, als auch von der Schuld frei machen, weil beides uns daran hindert Gott, die Menschen, die Schöpfung und uns selbst zu lieben.

FAGs über die Beichte

Bei wem sollte ich Beichten?

Es macht keinen Unterschied, bei welchem Priester gebeichtet wird und ob die Beichte im Beichtstuhl oder in einem Beichtzimmer ablegt wird. Manchen fällt es leichter, im Beichtstuhl und damit geschützt vor direktem Blickkontakt über ihre Sünden zu sprechen. Anderen fällt es leichter, sich in der Atmosphäre eines Beichtzimmers zu öffnen.

Diese Entscheidung, bei wem gebeichtet wird, muss jeder für sich treffen. Wer lieber anonym bleiben möchte, geht zu in einer fremden Stadt oder einer anderem Pastoralverbund. Wer regelmäßig beichten geht oder beichten gehen möchte, kann darüber nachdenken immer zu demselben Priester zu gehen. Denn je kontinuierlicher mit derselben Person über den eigenen Lebens- und Glaubensweg gesprochen wird, desto besser lernt er die Stärken und Schwächen kennen und kann auf Dinge hinweisen, die selbst vielleicht noch gar nicht gesehen werden.

Wann sollte ich Beichten?

Wer (noch) nicht (regelmäßig) zur Beichte geht, ist natürlich kein schlechterer Mensch. Nicht zu Beichten ist keine Sünde. Daher gibt es keinen festgefügten Zeitplan und auch keinen festen Intervall für die Beichte.

Ein richtiger Zeitpunkt kann dann sein, wenn Schuldgefühle vorhanden sind, oder das eigene Gewissen belastet ist.

Früher war es üblich mindestens einmal im Jahr zu Beichten, nämlich in der vorösterlichen Fastenzeit.

Wie bereite ich mich auf die Beichte vor?

Wer überlegt zur Beichte zu gehen, fragt sich vielleicht „Was habe ich eigentlich zu beichten?“

Eine Hilfe zur Vorbereitung auf die Beichte kann das Bild eines Kompasses sein.

Ein Kompass zeigt vier Richtungen an. Diese können als Beziehung zu sich selbst, seinen Mitmenschen, Gott und der Schöpfung verstanden werden. Bei jeder Richtung kann sich gefragt werden: „Was tut ich, dass der Weg in diese Richtung nicht frei ist. Welche Richtung verliere ich aus dem Blick? Welche Richtung zieht mich von den anderen Richtungen weg?“ Das können Worte, Gedanken, oder Taten sein.

So werde ich zum Beispiel schuldig, wenn ich Gott keine Rolle in meinem Leben gebe; wenn ich vor meinen Mitmenschen nicht aufrichtig bin; oder gegenüber der Schöpfung, wenn ich unachtsam mit Leben und der Welt umgehe; vor mir selbst, wenn ich z.B. Dinge esse, die mir nicht gut tun oder wenn ich zu wenig oder zu viel schlafe.

Wie weit reicht das Beichtgeheimnis?

Das Beichtgeheimnis zählt rechtsgeschichtlich zu den ältesten Datenschutzvorschriften der Menschheit. Es verpflichtet den Priester zum absoluten Stillschweigen über das, was er in der Beichte erfahren hat. Nur der Beichtende selbst kann den Priester vom Beichtgeheimnis befreien.

Die Verletzung des Beichtgeheimnisses wird mit der schwersten Kirchenstrafe geahndet, die es überhaupt gibt: die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirche. Durch sie kann ein Priester nicht mehr als Priester tätig sein.

Das Beichtgeheimnis ist rechtlich in Paragraf 53 der Strafprozessordnung durch  das Zeugnisverweigerungsrecht abgesichert.

Das Beichtgeheimnis gilt somit immer – ohne wenn und aber.

Ablauf der Beichte

Der Ablauf einer Beichte ist so individuell wie ihr Inhalt. Es ist nicht notwendig,  bestimmte Beichtriten oder Worte auswendig zu kennen oder die eigenen Verfehlungen in einer besonderen Reihenfolge zu nennen.

Nach der Begrüßung und dem Kreuzzeichen spricht der Priester ein Gebet oder liest eine Bibelstelle vor. Anschließend spricht die beichtende Person über ihr Problem, über die gemachten Fehler, Konflikte …  Danach wird gemeinsam überlegt, wie zukünftig anders gehandelt werden kann, wo die Probleme liegen und wie sie künftig damit anders umgehen kann.

Es folgt die Lossprechung, die Absolution. Damit diese wirken kann, ist es notwendig, dass die gemachten Fehler wirklich bereut werden und diese in Zukunft nicht wiederholt werden sollen. Der Priester spricht dann die Worte: „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Nach dem gemeinsamen Kreuzzeichen sagt der Priester: „Deine Sünden sind dir vergeben, geh hin in Frieden.“