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Nachgedacht Ostern

Wenn es einen biblischen  Ostertext gibt, der für unsere aktuelle kirchliche Situation und vielleicht auch besonders für uns im Dortmunder Westen besondere Anstöße geben kann,  ist  es  aus meiner Sicht in diesem Jahr die Begegnung der beiden Emmaus-Jünger mit Jesus, von der uns das Evangelium am Ostermontag erzählt (Lk 24, 13-35). Manche Parallelen zu Sichtweisen und Themen, an denen wir uns heute innerkirchlich so oft abarbeiten und aufreiben, entdecke ich. Der Schrift-Text kann jede*n, der ihn liest oder hört, dazu einladen, selbst zum Emmaus-Jünger zu werden, indem er/sie sich an die Stelle des Jüngers begibt, der im Text namenlos bleibt.

Auch heute wird oft getrauert – wie auf dem Emmaus-Weg – über das, was in der Kirche einmal war und nicht mehr zurückkommt. Bisher vertraute Formen des Kirche-Seins, die viele von uns geprägt haben, verändern sich:  „…und wir hatten doch gedacht,  dass wir sie bewahren könnten“.  Doch  nun wirkt sie eher sterbend oder auch schon tot: die so genannte „Volkskirche“, die „Gemeindekirche“ der letzten Jahrzehnte und vieles, was wir damit so alles verbinden. Vielleicht würde der Unerkannte, wenn er sich da heute mit uns auf unseren Trauerweg macht, uns da in ähnlicher Weise wie die Jünger damals fragen: Müsst ihr dies nicht jetzt vielleicht auch erleiden, damit etwas entstehen kann, was ihr jetzt noch nicht in den Händen habt und sehen könnt? Eins können uns die Emmaus-Jünger da  sicher heute auch mit auf den Weg geben: es reicht nicht, sich nur in seiner Trauer zu ergehen und wehmütig auf das Vergangene zurückzublicken: das wäre nur ein frustrierendes Lamentieren, dem dann auch sehr schnell Schuldzuschreibungen folgen: der Papst, die Bischöfe, die Unbeweglichkeit vieler in der Kirche und insgesamt die Schwerfälligkeit im Blick auf notwendige Veränderungsprozesse u.v.m.

Die Emmaus-Jünger öffnen sich in der Person des Unbekannten dem Fremden und Neuen: sie öffnen sich dem Wort Gottes, das sie in ihr Gespräch hineinholen, das sie sich neu deuten lassen. Sie lernen ein neues Verständnis der Schrift und kommen so mit Gott selbst ins Gespräch, der ihnen etwas zu sagen hat. Und vor allem: sie sind gastfreundlich, sie laden den Fremden ein, bei ihnen zu sein. Nur so kommt es zu einem Mahl der Gemeinschaft, bei dem der Fremde dann zum  lebendigen Christus wird, den sie (was für ein merkwürdiger Widerspruch) nicht mehr sehen, als ihnen das alles klar wird.

Kann darin nicht vielleicht die Erkenntnis liegen: es braucht die Begegnung bis hin zur Tischgemeinschaft mit denen, die uns manchmal auch erstmal fremd sind, uns aber dennoch Wichtiges zu sagen haben. Für mich heißt das konkret: österlich glauben und Kirche sein darf sich nicht beschränken auf die, die „zu uns gehören“: Kirche und Glauben brauchen immer auch den Kontakt mit den Menschen einer Welt, für die unsere „Kirchen-Innen-Welt“ zunächst auch erst einmal weitgehend unbekannt ist. Ich weiß: das ist mühsam und schreibt sich leichter, als es z. B. auch im Blick auf den Willen, den Mut und die Wege der Umsetzung unserer Pastoralvereinbarung im Alltag für uns alle hier im Dortmunder Westen ist. Wenn uns jedoch in diesen Tagen als Emmaus-Jüngern heute die Augen aufgehen für das, was wir bisher vielleicht noch nicht gesehen haben oder zu  sehen und zu sagen wagten,  dann haben wir eine Ostererfahrung gemacht.

Nachgedacht von Guido Hoernchen